„Vor 300 Jahren wurde Ludwigsburg zur Stadt und zur dritten württembergischen Residenz erhoben. Die Stiftung Karlshöhe Ludwigsburg ist ein Teil dieser Geschichte, ja, seit fast 150 Jahren prägt und gestaltet sie das Leben hier mit und trägt dazu bei, dass die Stadt den vielfältigen sozialen Nöten gewachsen ist, die einem Gemeinwesen innewohnen.

Ludwigsburg hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gesellschaftliche, architektonische und literarische Maßstäbe gesetzt, vom facettenreichen Musikleben ganz zu schweigen. 1971 kam die Karlshöher Kantorei als ein klangvoller Bestandteil dieser kreativen Kraft der Stadt dazu. Die Sängerinnen und Sänger widmeten sich von Anfang an auf hohem Niveau der klassischen und geistlichen Musik, mit erstaunlicher Vielseitigkeit haben sie unterschiedlichste Komponisten gemeistert.“

Pfarrerin Dr. Dörte Bester, Direktorin der Karlshöhe Ludwigsburg

Die aktuelle Kantorei der Karlshöhe

Damals wie heute sind wir eine bunte Gruppe aus allen Altersstufen und Lebenslagen, rund 100 Menschen, die sich Woche für Woche freuen auf das Einswerden im Gesang, die Geist und Seele entlastende Auszeit vom alltäglichen Getriebe in Beruf und Familie. Begeisternde Höhepunkte sind für uns und unser Publikum die Aufführungen von großen Meisterwerken der Kirchenmusik, die wir zusammen mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region gestalten. „Die Kantorei nimmt dabei ihre Zuhörer mit hinein in das Lob Gottes, der uns die Freude an der Nächstenliebe, die Kraft zum Helfen und den Einsatz für die Gemeinschaft schenkt. Sie hilft damit auch, die diakonische Arbeit der Karlshöhe recht zu verstehen. Durch die geistliche Musik, die sie aufführt, lenkt die Kantorei den Blick auf den Menschen, für den wir auf der Karlshöhe in der Diakonie da sind, auf seine Lust am Leben, wenn es ihm gut geht, auf seinen Schrei nach Zuwendung, wenn er leiden muß.“ So beschreibt es der damalige Direktor der Karlshöhe, Dr. Wilfried Brandt, Pfarrer der diakonischen Gemeinde und Sänger in der Kantorei, zum 25 jährigen Jubiläum.

Unser musikalischer Leiter ist seit 2017 der Bezirkskantor von Tübingen-Land Nikolai Ott. Mit „Israel in Egypt“ von G. F. Händel in Originalsprache und als Zwischenmusik „Beben“ des Stuttgarter Komponisten Jan Kopp, dem eigens für die Kantorei vertonten 114. Psalm knüpften wir in seinem Antrittskonzert an alte Traditionen der Barockmusik an, um sie mit neuer Musik aus einem veränderten Blickwinkel zu betrachten. Heute – unter dem Eindruck der Pandemie – ergeben sich mit den „Schockwellen des Bebens“ und „Befreiung aus der Unfreiheit“ ganz neue Anknüpfungspunkte  und Perspektiven. Mit der Aufführung von Mozarts Requiem und Arvo Pärts Stabat mater im urban harbor der Weststadt erschlossen wir uns im Jahr 2019 buchstäblich und im übertragenen Sinn neue Räume.

Mit diesen neuen Wegen und Perspektiven wollen wir, wie schon mit den Musiktheatern unter Siegfried Bauer und den liturgischen Aufführungen des Weihnachtsoratoriums unter Tobias Horn, erreichen, dass auch künftige Generationen Zugang finden zur Kirchenmusik und als Sänger oder Zuhörer ihre Wirkung spüren dürfen, wie sie Pfarrer Dr. Brandt 1996 beschrieb.

Organisation

Die Kantorei ist unter dem Dach der Karlshöhe Ludwigsburg eingegliedert. Neben der musikalischen Leitung, die ein hohes Maß an Verantwortung in allen Belangen trägt, organisiert sich die Kantorei in folgenden Gremien, deren Mitglieder von der Chorgemeinschaft gewählt werden.

Kantoratsmanagerin: Christa Fröhlich
Chorbeirat
Chorsprecher: Ulrike Schuckert, Markus Korntreff
Stimmsprecher: Ursula Göz (Sopran), Catherine Moll (Alt), Uwe Brauer (Tenor), Matthias Knecht (Bass)

Im Chor gibt es verschiedene Gruppen für die vielen Aufgaben die bei der Vorbereitung und Durchführung unserer Konzerte anfallen.

Foto: Sven Cichowicz

„Die Töne der Musik tragen auf ihre eigene Weise Gottes befreiende, tröstende Botschaft in die Herzen der Menschen. Das gesungene Wort und das Klingen der Musik ergänzen sich und so erreicht die christliche Botschaft viele, denen sie sonst fern und fremd erscheint.“

Pfarrer Dr. Wilfried Brandt, 1996

Kontakt

Probenbesuch, Mitglied werden ...

Wir proben, wenn Proben wieder stattfinden dürfen, immer dienstags von 20:00 bis 22:00 Uhr im Kolleggebäude der evangelischen Hochschule auf der Karlshöhe in Ludwigsburg, wegen der Anstandregeln auch in der Kirche der Karlshöhe.

Bei Interesse und Fragen zu den aktuellen Probenterminen und Auftritten könnt Ihr gerne folgendermaßen Kontakt aufnehmen:

Unser Dirigent – Nikolai Ott

Ein einjähriger Schüleraustausch mit Argentinien im Alter von 16 Jahren entschied über den Lebensweg des in der Provinz Hohenlohe-Frankens aufgewachsenen Dirigenten und Kirchenmusikers Nikolai Ott. Sein Gastvater Prof. Sebastian Olmedo spürte sein außerordentliches Interesse an der Musik und ermöglichte es ihm, am Conservatorio J. J. Castro in Rio Tercero Chorleitung zu studieren. Während seiner weiteren Schulzeit und des Zivildienstes beim Sonnenhof e.V. in Schwäbisch Hall betreute er dann bereits mehrere Chöre, darunter auch reine Männerchöre, mit denen er schon damals Konzertreisen nach Argentinien unternommen hat. Er nahm Orgelunterricht bei Steffen Mark Schwarz in Stuttgart und Ulm.

Nach einem kirchenmusikalischen B-Studium in Tübingen schloss Nikolai Ott mit einem künstlerischen Aufbaustudium im Fach Dirigieren (Chor- und Orchesterleitung) bei Prof. Michael Alber an der Hochschule für Musik Trossingen seine Ausbildung im Jahr 2018 ab. Er ist Bezirkskantor für den evangelischen Kirchenbezirk Tübingen - Land.

Nikolai Ott ist stellvertretender Musikdirektor im Präsidium und Musikbeirat des Schwäbischen Chorverbandes. Im Mai 2018 coachte er auf Vermittlung des internationalen Volkskulturkreises e.V. chinesische Chorleiter in Beijing.

Sein besonderes Interesse gilt der Erforschung des Musiklandes Baden-Württemberg und seiner Komponisten wie auch der zeitgenössischen Musik. Mit regelmäßigen, wechselseitigen Konzertreisen hält er den Kontakt in seine zweite Heimat Argentinien aufrecht.

Foto: Michael Fuchs

Unsere Chorassistenz – Isabelle Métrope

Isabelle Métrope ist in vielerlei Hinsicht ein Multitalent und der Inbegriff einer Europäerin. Aufgewachsen in der Bretagne führte ihr Weg über Aix-en-Provence, Newcastle, Köln und St. Etienne, wo sie Studiengänge in Sprachen, Wirtschaft und Musikmanagement abschloss. Doch schließlich siegte die Liebe zur Musik, die ihr als Tochter von Musikern schon in die Wiege gelegt worden war und die ihre Kindheit prägte. Sie entschloss sich zu einem Musikstudium (Chorleitung, Musikwissenschaft und Gesangspädagogik) an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

Ihre musikalische Laufbahn ist geprägt durch Projekte mit Helmuth Rilling (Junges Stuttgarter Bachensemble), Hans-Christoph Rademann (Gaechinger Cantorey) und Denis Rouger (figure humaine kammerchor). Auch wenn sie nach wie vor auf europäischer Ebene tätig ist, etwa bei Gastkonzerten im europäischen Ausland oder – als ehrenamtliche Mitarbeiterin – der European Choral Association – Europa Cantat, so ist Württemberg mit seinen Menschen zu ihrer zweiten Heimat geworden.

Isabelle Métrope lebt bei Tübingen und arbeitet freiberuflich als Sängerin, Chorleiterin, Übersetzerin und Musikredakteurin. Sie leitet den Kirchenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Neckartailfingen und die „ZusammenSinger“, den Kirchenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Kusterdingen. In Tübingen leitet sie die Nachwuchsgruppen der Tübinger Kinderkantorei (Stiftskirche/Hochschule für Kirchenmusik), in Stuttgart den Kinderchor am Fasanenhof (Ev. Kirchengemeinde Möhringen-Fasanenhof). Für die Martinskantorei der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Möhringen-Fasanenhof ist sie als Assistentin tätig.

Sie ist aktuell Mitglied im Kammerchor Stuttgart (Leitung: Frieder Bernius) und im Ensemble Cythera (Leitung: Mihály Zeke) und seit Dezember 2020 Redaktionsleiterin des International Choral Bulletin der Internationalen Föderation für Chormusik.

Seit September 2018 ist Isabelle Métrope als Chorleitungsassistentin und Stimmbildnerin für die Kantorei der Karlshöhe.

Sie ist regelmäßig als Solistin und Vokalensemble-Sängerin zu erleben.