Ein ungewöhnlicher Auftrag führte 1636 zur Entstehung dieses Werks: Heinrich Posthumus Reuß, Landesherr von Gera, hatte seine eigene Begräbnisfeier bis ins Detail vorbereitet. Nach seinem Tod bat seine Familie den Komponisten Heinrich Schütz, aus den Bibelworten und Chorälen auf dem kunstvoll gestalteten Sarg sowie den ausgewählten Trauertexten ein zusammenhängendes musikalisches Werk zu schaffen.
Das Ergebnis ist weit mehr als Trauermusik. Schütz entfaltet eine ergreifende Klangwelt, die von Vergänglichkeit erzählt und zugleich Trost, Hoffnung und Zuversicht vermittelt. Besonders eindrucksvoll ist das Ende: Im Canticum Simeonis scheint sich der Chorklang zu öffnen, wenn die Stimmen der Seraphim die Seele des Verstorbenen musikalisch dem Himmel entgegenzutragen scheinen.
Mit diesem Konzert kehrt die Kantorei zugleich zu ihren eigenen Wurzeln zurück: Die Musicalischen Exequien gehörten zu den ersten Werken, die der Chor nach seiner Gründung 1973 in der Kirche der Karlshöhe aufführte.
Ergänzt wird das Programm durch Heinrich Schütz Arie «De vitae fugacitate» sowie zwei Werke aus jüngerer Zeit: Wolfgang Stockmeiers Vater unser und Alec Roths «Sol Justitiae». Sie schlagen eine Brücke in die Gegenwart und eröffnen neue Perspektiven auf die zeitlose Botschaft von Schütz’ Musik. Abschließend erklingt Johann Ludwig Bachs «Gedenke meiner, mein Gott».
Unter der Leitung von Nikolai Ott musizieren die Kantorei der Karlshöhe, ein Basso-Continuo-Ensemble sowie die Solistinnen und Solisten Baiba Urka, Cornelia Fahrion und Isabelle Métrope (Sopran), Jan Jerlitschka (Altus), Philipp Nicklaus und Martin Höhler (Tenor) sowie Georg Benz und Christoph Schweizer (Bass).
Ein Konzert, das den Tod nicht ausblendet, sondern dem Leben, dem Trost und der Hoffnung eine Stimme gibt.