Choralphabet

Tenorette

T wie Tenöse oder Tenorette

Die musikalischen Übungen in meiner Kindheit waren eher karg, obwohl ich schon immer gern Musik hörte und auch gern sang. Studium und Beruf brachten mir viel Literatur und etwas Kunst, die Musik jedoch blieb auf den Konzertbesuch beschränkt. Im März 2006 hörte ich die Kantorei der Karlshöhe unter der Leitung von Tobias Horn in der Besigheimer Stadtkirche mit der „Johannespassion“ - ich war fasziniert. Ob etwa auch ich als schon ältere Anfängerin in dem Chor mitsingen könnte? Herr Horn verwies auf den üppig besetzten Alt und lehnte zunächst ab.

Der zweite Versuch Anfang 2007 war erfolgreich: Ich durfte probieren, im Tenor mitzumachen. So ging ich freudig und zaghaft zugleich zu meiner ersten Probe. Es wurde Mendelssohns „Elias‹ geprobt“ und mir wurde gleich klar, dass dies alles ohne notentechnische und sängerische Erfahrung nicht einfach werden würde. Es hat dann aber zunehmend Spaß gemacht und mir eine neue Welt in vielen Facetten erschlossen. Dazu zählten nicht nur mühsames Üben, die Proben und Probenwochenenden, spannungsgeladene Generalproben und - als Höhepunkte - wunderbare Konzerte, sondern auch viele bereichernde menschliche Begegnungen, heitere Chorfahrten und Chorfeste (darunter eine denkwürdige Essenseinladung unter dem Titel „Tenor letzte Reihe“).

Eva Dambacher,
Tenor seit 2007

Thermoskanne

Thermoskanne oder der Klassiker im Sopran

Der Klassiker im Sopran, den Tobias Horn „am meisten“ vermissen werden wird, wie er in einer der letzten Chorproben bei uns sagte: Die Thermoskanne, von denen es vornehmlich im Sopran, gar viele gibt, die mitten im Pianissimo, mit einem durchdringenden metallischem „Klong“ zu Boden geht. Damit er diesen Sound nicht zu sehr vermisst, schenkten meine Chorfreundin Ilka und ich ihm zum Abschied ein Thermoskanne, die er aber für seinen kleinen Sohn Michael auch gut brauchen konnte.

Ulrike Schuckert,
Sopran seit 2003

Trost

Trost

Wenn Situationen im Leben einen verstummen lassen, keine Worte mehr gefunden werden in der Traurigkeit, kann ich mich einbetten lassen in die alten Lieder, Gesänge, Psalmen und Gebete.

Die Töne, der Klang und Rhythmus schwingen tröstend ins Innere und befreien zu neuer Zuversicht. Wie gut es tut, miteinander zu Singen, im Hören der Stimmen zusammenzufinden, dabei Lebenskraft und  Freude zu empfinden, sind Erfahrungen, die zu Schätzen werden.

Marta Maurer-Gaus,
Sopran 1979 -1981 und seit 2017

Tut-tut-tuuuut

Ein durchdringend lautes, tiefes und langes Tuten

2010 hatte ich die große Freude, im Rahmen des 20. Jubiläums der Städtepartnerschaft als Teil des Chores mit nach Jewpatorija zu reisen. Wie zehn Jahre zuvor hatten wir Musik von einem Ludwigsburger Musiktheater im Gepäck. Diesmal war es „Die Schöpfung“, die allerdings nicht szenisch, sondern konzertant aufgeführt wurde. Es war eine sehr große Ehre, dass wir auch in der Freiluft-Arena in Jalta einen Gastauftritt hatten, an einem herrlichen Frühsommertag Anfang Juni.

Vor dem Probedurchlauf und dem Konzert machte wir noch eine Hafenrundfahrt. Und ich erinnere mich, dass mich ein großes Kreuzfahrtschiff beeindruckte, wie riesig war es im Verhältnis zu unserem kleinen Boot. Auch wenn es noch viel mehr zu sehen gegeben hätte, allzu lange durfte die Bootstour in dem eng getakteten Zeitplan leider nicht sein: Zu Soundcheck und Probedurchlauf mussten wir pünktlich zurück sein, was wir natürlich einhielten. Nach der Probe zogen sich Sänger und Orchester zu einer kurzen Pause zurück, die Reihen in der riesigen Arena füllten sich  mit Besuchern. Endlich war es soweit. Wir kamen auf die Bühne und freuten uns, dass so viele gekommen waren. Die Spannung stieg.  Ein Geistlicher, war es Pater Wasilli?, sollte eine feierliche Einführung sprechen. Würdig stand er in seinem Talar am Bühnenrand und erhob seine tiefe, sonore und volle Stimme. Doch o Schreck! Plötzlich übertönte ihn ein durchdringend lautes, tiefes und langes Tuten. Was war das?

Unser Dirigent Siegfried Bauer hatte schon längst seine Position eingenommen. Jetzt schaute er sich suchend um und konnte das Geräusch auch nicht einordnen. Er rannte zum Mikrofon. Es wurde untersucht, gestikuliert und analysiert. War es eine Rückkopplung? Auf ein Neues erklang dieses tiefe Tuten. Plötzlich fiel mir das große Kreuzfahrtschiff ein! Na klar, dreimal tiefes Tut-Tut-Tuuuuut. Das Schiff läuft aus! Hier in der offenen Arena war das natürlich nicht zu überhören. Allseits große Erleichterung! Zum Glück kein technischer Defekt!  Das dritte Tuten wurde abgewartet und die Aufführung konnte beginnen.

Petra Kirchner,
Sopran seit 1993

Kurz & Knapp

Dreckbollen an den Schuhen

Chorprobe mit Siegfried Bauer im November 1982, Karlshöhe, Kolleggebäude H3: Als junge Studentin singe ich zum ersten Mal beim Weihnachtsoratorium mit. Im Dritten Teil Nr. 26 kommt der Einsatz der Tenöre und Bässe: „Lasset uns nun gehen gen Bethlehem…“. Siegfried Bauer unterbricht sofort: „Ihr Männer, ihr kommt daher, als ob ihr Dreckbollen an den Schuhen hättet.“ Das sitzt. Bei jeder Aufführung des Weihnachtsoratoriums freue ich mich auf den leichtfüßigen Einsatz der Männer.

Beate Vogelgsang (geb. Kempter), Sopran, 1980 – 1983 und seit 2008

Erkennungsmerkmal

Immer mitnehmen! An ihm ist der Sänger, die Sängerin zu erkennen: Der Schal wird mindestens dreimal um den Hals gebunden, egal ob im Herbst, Winter oder Frühling. Er ist ja auch wirklich unentbehrlich in den oft wenig beheizten Kirchen.

Catherine Moll, Sopran 1992 – 2012, seitdem Alt

Singen weckt sämtliche Lebensgeister

Kantorei der Karlshöhe war für mich das Zauberwort über 25 Jahre hinweg. Ich konnte noch so müde sein – kaum war ich in der Chorprobe, kamen sämtliche Lebensgeister zurück und ich habe mit viel Freude und Herzblut gesungen. In all den Jahren habe ich drei Dirigenten erlebt, ein jeder genial in seiner Art, es gab unvergessliche Aufführungen und ich bin vielen wunderbaren Menschen begegnet.

Dankbar und beschenkt blicke ich auf diese Zeit zurück und wünsche der Kantorei der Karlshöhe mit ihrem Dirigenten Nikolai Ott, dass sie nach der Coronapause wieder mit Schwung beginnen kann. Ich freue mich schon auf die nächste Aufführung, die ich dann als Zuhörerin erleben und genießen darf.

Gerti Benner, Sopran 1995 - 2020

Wir Rampensäue

Das Lob dienstagabends nach den großen Konzerten ist obligatorisch, fällt in der Ära Tobias Horn in der Regel aber wenig überschwänglich aus. Bis auf ein Mal. Da lässt er die Sau raus. „Dein Chor“, so zitiert der Meister, kurz bevor er gleich wieder in die Tasten des Flügels haut, unseren heißgeliebten Tenor Andreas Weller, „dein Chor sind alles Rampensäue.“ Der Chef lacht glücklich. Und schaut in unzählbar viele entsetzte Gesichter. Rampensäue? Wir? Haben wir so entsetzlich gesungen? Das muss er erklären. Und wirklich, Horn übersetzt: Wenn es darauf ankommt, dann steht die Kantorei da wie eine Eins. Jeder einzelne von uns. Mehr Präsenz geht nicht. Mehr Lob auch nicht.

Gertrud Schubert, Sopran 1997

Große Aufregung

Die Matthäuspassion war mein erstes großes Werk mit der Karlshöher Kantorei. Ich werde nie die Aufregung und das Kribbeln vergessen, das diese Aufführung mit sich brachte.

Mirijam Bäßler, Sopran seit 2014

Hefezopf, mit und ohne Zibeben

In unserer bunten Chorgruppe gibt es einen gelernten Bäcker, der zu jeder Generalprobe für die Solisten und Instrumentalisten zwei mächtige Hefezöpfe kredenzt. Und weil Hermann Emmerling weiß, dass sich an den Rosinen die Geister scheiden, ist immer ein Zopf mit, der andere ohne Zibeben. So schmeckt er allen.

Christa Fröhlich, Sopran seit 2009

Singen macht glücklich und frei

Gemeinsame Proben, Konzerte eröffnen für mich immer wieder eine Dimension der Tiefe, Gelassenheit, Verbundenheit und Zuversicht. Singen mit der Kantorei macht glücklich und frei.

Elfie Peter-Lehmann, Sopran seit 2007

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