Choralphabet

Bach
In den Noten B-A-C-H zu entdecken, ist immer eine große Freude.

X = B-A-C-H

Tobias Horn bei den Proben zur h-Moll-Messe anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Kantorei: “Kreuzmotive all überall - Oktaven: Akkord der Vollkommenheit - ‘Ich glaube’, dann gibt es zwei Takte erst einmal nichts mehr zu sagen - walking bass - kontrapunktisches Wunderwerk - im Adagio-Teil sämtliche 24 Tonarten der damaligen Zeit - der besondere Takt 41, die Quersumme im Zahlenalphabet aus J. S. Bach (9+18+2+1+3+8=41) -  nach diesem Takt folgt wieder ‘Ich glaube’ oder kurz und knapp: Das ist Bach! Glauben Sie es mir!“ Horns Abschiedskonzert dann mit der Doppelkantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ nicht etwa als Fazit seiner 15 Jahre mit der Kantorei, sondern weil er es für das beste Stück von JSB hält. Soli deo gloria.

Ulrike Schuckert,
Sopran seit 2003

Bauer-Fan

Ich bin ein Bauer-Fan

Hatte ich einen Aufruf zum Mitsingen im Großen Chor in der Zeitung gelesen? Ich weiß es nicht mehr. Da wurden Singesfreudige eingeladen, im Forum bei “Fürsten Bürger Soldaten” mitzumachen.  Fünf bis sechs Aufführungen fürs Ludwigsburger Stadtjubiläum 2004. Ich meldete mich und war hell begeistert von der Art unseres Chor- und Projektleiters. Siegfried Bauer. Er wußte wohin, wie das gesamte Projekt werden sollte und schaffte es mit Strenge und unzähligen Wiederholungen, dass wir bald alles, was wir zu singen hatten, auswendig konnten. Bei diesem Chorleiter wollte ich gern weiter mitmachen. Auch auf der Karlshöhe. Doch leider hatte er die Kantorei abgegeben. Tobias Horn war jetzt hier Dirigent.  Ich bin für Jahre gern dabei geblieben.  Und ich konnte Herrn Bauer bei den nächsten großen Projekten  “Passion“ und „Die Schöpfung“ als Mitsängerin des  Kleinen Chores der Kantorei wieder erleben. Und auch das alljährliche “Sing mit” im Advent ließ ich nie ausfallen.

Elfriede Imrich,
mit Unterbrechungen Tenor seit 2004

Bauers Kittel

Bauers Kittel: der Bauernkittel

Lange bevor Rainer Kittel als Regisseur des Musiktheaters in Siegfried Bauers Leben trat, hatte unser Chorleiter ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu einem Kittel. Der Kittel trug sogar seinen Namen und war seinerzeit ein auch unter Chorsängerinnen beliebtes Kleidungsstück. Ob Rot, ob Grün, ob Blau, leidenschaftlich gern streifte man den Bauernkittel über – der Bauer sogar besonders gern.

Margret Greußel (geb. Krenkel),
Sopran seit 1971

 

Begegnungshäufigkeit
Ansgar und Gabi haben in der Kantorei ihre junge Beziehung auf die Probe gestellt. Sie sind jetzt schon über 20 Jahre verheiratet.

Begegnungshäufigkeit

Im Mai 1998 hatte ich den Mut, einen VHS-Kurs mit dem Titel „Wie finde ich einen Partner?“ zu besuchen. Dort lernte ich meine zukünftige Frau kennen. In Gesprächen im Kurs erfuhr ich, dass sie früher im Fischer-Chor gesungen hatte. Ich selbst wollte auch endlich als begeisterter Fan von klassischer Chormusik in einem Chor anfangen. Nach einiger Überredungskunst meinerseits fingen wir dann in der Kantorei unter Siegfried Bauer an und haben eines gelebt, was in dem VHS-Kurs uns geraten worden war: „Begegnungshäufigkeit“. Drei Jahre später haben wir geheiratet und sind seit über 20 Jahren ein glückliches Paar. Das Singen ist so viel für mich: Ausdruck, Ablenkung, Üben, Verinnerlichung und das alles nach außen zu tragen.

Ansgar Schumann,
Tenor, 1998 – 2003, und seit 2017

Bleistift

Die wundersame Vermehrung der Bleistifte

Der Bleistift ist einfach unentbehrlich. Hier ein Forte eintragen, dort einen Pfeil nach oben malen (das bedeutet: Diese Note ist meistens zu tief), Aussprache notieren, Stimmfärbung (hier Engelstimmen) oder Taktzahlen müssen ergänzt werden. Die Suche nach einem Bleistift kurz vor der Probe gleicht der Suche nach den Noten: Schreibtisch, Esstisch, Nachttisch? Wann hat man das letzte Mal etwas gekritzelt, war es ein Sudoku, Kreuzworträtsel oder der Einkaufszettel? O, das gute Stück steckt in der Manteltasche.
Für alle, die dort nicht fündig werden, gibt es im Probensaal griffbereit ein Kistchen mit Bleistiften. Vor Zeiten aber waren die alle plötzlich recht kurz. Kantoratssekretärin Ulla Becker hatte sie – mit der Säge? - halbiert und fein säuberlich gespitzt. Damit es für jeden und jede einen Stift reichte. Und um den dienstäglichen Bleistiftschwund wenigstens ein bisschen auszugleichen.

Catherine Moll, Sopran 1992 – 2012, seitdem Alt, und
Gertrud Schubert, Sopran seit 1997

Böller

Glocken und Böller

Wie kann man die die Jahreswende besinnlich und trotzdem fröhlich feiern?

Viele Jahre lang gab es die schöne Tradition, einen Silvestergottesdienst mit Kantaten - vor und nach 12 Uhr - zu feiern. Siegfried Bauer hatte in jedem Jahr nicht nur den Chor, sondern auch das Ensemble von Mathias Neundorf und Solisten eingeladen. Um Mitternacht herrschte Stille im Kirchenschiff und alle konnten das Glockengeläut, aber auch die Böller und Raketen über der Stadt hören.
An den Gottesdienst anschließend gab es für die Mitwirkenden ein kleines, feines Fest. Fleißige Helfer*innen hatten für ein Büffet mit allerlei Gutem und passenden Getränken gesorgt. Danach gab es – quasi als Dessert - noch viele, meist musikalische Leckerbissen.
Damals waren sich alle einig, dass diese Art eines Jahreswechsels stimmungsvoll, gesellig und sehr schön ist. Irgendwann waren diese Feste vorbei. Schade.
Vielleicht kann man sie ja wieder aufleben lassen.

Herbert Labitzke,
Bass 1983 - 2018

 

Brüder-Bräu-Keller

Brüder-Bräu-Keller (BBK)

Die dienstägliche Probenpause von siebeneinhalb Minuten beziehungsweise einer Zigarettenlänge reicht kaum aus, um alles Weltbewegende kurz mal anzusprechen oder sich über den ganz normalen Wahnsinn des Alltags auszutauschen. Auch bleibt für die Entspannung der Schultern kaum Gelegenheit. Das ausdauernde Halten der Notenbücher hat vor allem bei beruflichen Schreibtischtäterinnen und -tätern schon zu schmerzhafter Starre geführt. Manche Sängerinnen verschaffen sich hier mit einem Notenständer Erleichterung. Andere betreiben am ersten Dienstag im Monat auf sportliche Art Nachsorge, nämlich im Brüder-Bräu-Keller im Gebäude gegenüber. Netterweise stellen die Studierenden der Kantorei diesen ganzheitlichen Erholungsort zur Verfügung. Hier gibt’s nicht nur erfrischendes Gebräu und Knabbereien, sondern Tischfußball mit Disco-Beleuchtung und auf Wunsch auch Musik. Und den Schwatz sowieso. Perfekt, um Schultern und Arme zu lockern und auch das Zwerchfell, denn es gibt immer was zu lachen.

Ursula Göz,
Sopran seit 1993

Kurz & Knapp

Dreckbollen an den Schuhen

Chorprobe mit Siegfried Bauer im November 1982, Karlshöhe, Kolleggebäude H3: Als junge Studentin singe ich zum ersten Mal beim Weihnachtsoratorium mit. Im Dritten Teil Nr. 26 kommt der Einsatz der Tenöre und Bässe: „Lasset uns nun gehen gen Bethlehem…“. Siegfried Bauer unterbricht sofort: „Ihr Männer, ihr kommt daher, als ob ihr Dreckbollen an den Schuhen hättet.“ Das sitzt. Bei jeder Aufführung des Weihnachtsoratoriums freue ich mich auf den leichtfüßigen Einsatz der Männer.

Beate Vogelgsang (geb. Kempter), Sopran, 1980 – 1983 und seit 2008

Erkennungsmerkmal

Immer mitnehmen! An ihm ist der Sänger, die Sängerin zu erkennen: Der Schal wird mindestens dreimal um den Hals gebunden, egal ob im Herbst, Winter oder Frühling. Er ist ja auch wirklich unentbehrlich in den oft wenig beheizten Kirchen.

Catherine Moll, Sopran 1992 – 2012, seitdem Alt

Singen weckt sämtliche Lebensgeister

Kantorei der Karlshöhe war für mich das Zauberwort über 25 Jahre hinweg. Ich konnte noch so müde sein – kaum war ich in der Chorprobe, kamen sämtliche Lebensgeister zurück und ich habe mit viel Freude und Herzblut gesungen. In all den Jahren habe ich drei Dirigenten erlebt, ein jeder genial in seiner Art, es gab unvergessliche Aufführungen und ich bin vielen wunderbaren Menschen begegnet.

Dankbar und beschenkt blicke ich auf diese Zeit zurück und wünsche der Kantorei der Karlshöhe mit ihrem Dirigenten Nikolai Ott, dass sie nach der Coronapause wieder mit Schwung beginnen kann. Ich freue mich schon auf die nächste Aufführung, die ich dann als Zuhörerin erleben und genießen darf.

Gerti Benner, Sopran 1995 - 2020

Wir Rampensäue

Das Lob dienstagabends nach den großen Konzerten ist obligatorisch, fällt in der Ära Tobias Horn in der Regel aber wenig überschwänglich aus. Bis auf ein Mal. Da lässt er die Sau raus. „Dein Chor“, so zitiert der Meister, kurz bevor er gleich wieder in die Tasten des Flügels haut, unseren heißgeliebten Tenor Andreas Weller, „dein Chor sind alles Rampensäue.“ Der Chef lacht glücklich. Und schaut in unzählbar viele entsetzte Gesichter. Rampensäue? Wir? Haben wir so entsetzlich gesungen? Das muss er erklären. Und wirklich, Horn übersetzt: Wenn es darauf ankommt, dann steht die Kantorei da wie eine Eins. Jeder einzelne von uns. Mehr Präsenz geht nicht. Mehr Lob auch nicht.

Gertrud Schubert, Sopran 1997

Große Aufregung

Die Matthäuspassion war mein erstes großes Werk mit der Karlshöher Kantorei. Ich werde nie die Aufregung und das Kribbeln vergessen, das diese Aufführung mit sich brachte.

Mirijam Bäßler, Sopran seit 2014

Hefezopf, mit und ohne Zibeben

In unserer bunten Chorgruppe gibt es einen gelernten Bäcker, der zu jeder Generalprobe für die Solisten und Instrumentalisten zwei mächtige Hefezöpfe kredenzt. Und weil Hermann Emmerling weiß, dass sich an den Rosinen die Geister scheiden, ist immer ein Zopf mit, der andere ohne Zibeben. So schmeckt er allen.

Christa Fröhlich, Sopran seit 2009

Singen macht glücklich und frei

Gemeinsame Proben, Konzerte eröffnen für mich immer wieder eine Dimension der Tiefe, Gelassenheit, Verbundenheit und Zuversicht. Singen mit der Kantorei macht glücklich und frei.

Elfie Peter-Lehmann, Sopran seit 2007

Zurück

mehr ...

Konzerte, Geschichten & Anekdoten

... und es wächst weiter

Auch unser Choralphabet wird von uns stetig erweitert. Öfters hereinschauen lohnt sich also allemal. Zusätzlich bieten wir einen Kantorei Newsletter. So erhalten Sie News und Termine bequem per E-Mail gesendet.